Die Meilensteine im Überblick

Mir scheinen bei der Entwicklung des Klaviers 3 Punkte wichtig zu sein, die Codes, genau genommen Pianocodes darstellen:

  • Das Tasteninstrument ist die Folge des Bemühens, die Spieltechnik anderer Instrumente zu vereinfachen.
  • Die Hammermechanik entstand aus dem Wunsch, sich noch besser emotional ausdrücken zu kö;nnen.
  • Der Pianoklang ist das Ergebnis der Materialentwicklung. Denn erst um 1800 erfanden die Hutmacher den Filz.
Zum Seitenanfang Tastendes Musizieren

Die Bedeutung der Taste

Das Pianoforte ist aus dem Bedürfnis heraus entstanden, seine Gefühle vielfältiger ausdrücken zu wollen. Herausgekommen ist tatsächlich ein wunderbares Gefühls-Ausdrucks-Werkzeug.

Die Taste ist in der Summe der Elemente des Pianos wichtiger als man auf den ersten Blick vermutet. Die Klaviatur ermöglicht eine leichtere Bedienbarkeit des Instruments. Das war der Anlass dafür, dass in der Geschichte wiederholt versucht worden ist, die Technik eines anderen Instruments mechanisch nachzubilden und über die Klaviatur die Spielart zu erleichtern.

Die Taste erlaubt in ihrer Funktion als Hebel die Feinstabstufung und somit den gefühlvollen Einsatz der Finger- und Armkraft über die Mechanik auf die Saiten. Vor allem auf den gefühlvollen Einsatz verweist die Wortherkunft vom italienischen tasto, das übersetzt Das Werkzeug zum Tasten bedeutet.

Zum Seitenanfang Lernen braucht Vorbilder

Ein besonderes Hackbrett als Vorbild

  • Wie kam es eigentlich zu der Erfindung des Klaviers?
  • Was waren die Auslöser für diese Entwicklung und
  • wer war der Erfinder?

Als Erfinder des Klaviers ist der Cembalobauer Bartolomeo Cristofori bekannt geworden. Da ich selbst Cembalobau gelernt hatte, glaubte ich bislang, dass das Pianoforte aus dem emotionalen Bedürfnis entstanden sei, am Cembalo die Lautstärke variieren zu können. Tatsächlich ist es aber wohl eine zufällige Entwicklung, die dazu geführt hat, dass über 100 Jahre nach der Erfindung der Hammermechanik ein Instrument zur Verfügung stand, mit dem man dem neuen Zeitgeist der Industrialisierung entsprechend die dazu passende emotionale Dynamik sowie das Spannungsfeld zwischen rasanter gesellschaftlicher Entwicklung und menschlicher Befindlichkeit musikalisch ausdrücken konnte.

1705 reiste ein virtuoser Hackbrettspieler durch die Lande. Sein Name war Pantaleon Hebenstreit. Er war nicht nur ein begnadetes Talent, sondern er hatte auch ein besonderes Instrument, das der berühmte Orgelbauer, Gottfried Silbermann, erbaut hatte. Das Instrument wurde nach dem Künstler Pantaleon genannt:

  • Das Pantaleon war doppelt so groß, wie das heute bekannte Hackbrett.
  • Es hatte zwei Resonanzböden.
  • Über jedem Resonanzboden waren 90 Saitenpaare gespannt.
  • Die Saiten über dem einen Resonanzboden waren aus Darm, die Saiten über dem anderen Boden dagegen aus Stahl bzw. Messing.
  • Die Saiten wurden mit doppelt ausgelegten Klöppeln bespielt, die auf der einen Seite hart und auf der anderen beledert waren.

Auf diesem Instrument konnte Pantaleon Hebenstreit die Lautstärke variieren sowie den Klang vielfältig gestalten. Doch das Hackbrettspiel war technisch schwierig zu lernen. Aus dem Problem entstand die Idee, die Technik über eine Mechanik nachzuahmen und durch eine Klaviatur für den Spieler leichter zugänglich zu gestalten. So entstand die erste Hammermechanik in einem Instrument, das Bartolomeo Cristofori gravicembalo col piano e forte nannte. Obwohl die Mechanik eine technisch gute Lösung bereits mit belederten Hämmern darstellte, war die Zeit noch nicht reif. Cristofori beendete das Projekt, nachdem er circa 30 Instrumente gebaut hatte.

Zum Seitenanfang Das 10-Finger-Spielsystem ermöglichen

Entwicklung der Hammermechanik

Danach setzte eine intensive Entwicklung der Mechanik ein, die mit der Erfindung der Repetitionsmechanik durch Sebastian Erard im Jahr 1821 ihren Höhepunkt erreichte. Diese Mechanik entspricht der heute aktuellen Mechanik in den Flügeln. Die Entwicklung der Mechanik lässt sich sehr schön bei Wikipedia unter dem Stichwort Klaviermechanik nachvollziehen. Die Unterschiede zwischen der Flügel- und Klaviermechanik können Sie auf meiner Homepage www.praeludio.info studieren, wenn Sie dort in der Navigation auf den Button Mechanik-Modelle klicken.

Die Repetitionsmechanik von Erard ermöglichte es, den Hammer erneut anzuschlagen, ohne die Taste vollständig loslassen zu müssen. Darüber hinaus erlaubt diese Mechanik eine sehr gute Übertragung der Fingerkraft und somit des Spielgefühls. Damit war ein wesentlicher Fortschritt auf dem Weg der Entwicklung hin zu einem Musikinstrument als Werkzeug zum Ausdruck der zeitgemäßen Gefühlsdynamik erreicht. In guten Klavierkonzerten spenden wir begeistert Beifall, wenn es den Pianisten durch deren Interpretation gelingt, in uns diese emotionale Qualität zu aktivieren!

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Wie das Klavier zum Bestseller wurde

Bartolomeo Cristofori war ein Cembalobauer. Daher nannte er wie oben bereits beschrieben seine Erfindung ein Cembalo, auf dem man laut und leise spielen kann (gravicembalo col piano e forte). Aufgrund des Vorbilds bzw. genau genommen der Klang-Vor-Bilder des Hackbrett-Virtuosen Pantaleon Hebenstreit kannte Cristofori bereits den Trick, die Holzkerne der kleinen Klavierhämmer mit Leder zu beziehen. Doch in der Folgezeit gab es auch Varianten, bei denen die Saiten nur mit den Holzkernen der Klavierhämmer oder gar mit Elfenbein angeschlagen worden sind, wodurch ein dem Cembalo ähnlicher Klang erzeugt wurde.

Die Entwicklung zu dem uns heute bekannten Pianoklang begünstigte die Materialentwicklung des 19.Jahrhunderts. Denn um 1800 erfanden die Hutmacher den Filz. 1826 lies sich Henri Pape ein Verfahren patentieren, wie man den Filz über die Hammerkerne spannen kann. Der im Vergleich zum Cembalo weiche Pianoklang entstand demnach zu einer Zeit, als sich die Lärmbelastung der Umwelt dramatisch zu verändern begann. Denn 1780 war die Dampfmaschine erfunden worden. Die Eisenbahn verband Städte und in den Städten begannen Trambahnen auf Schienen zu fahren. 1785 wurde die Webmaschine erfunden, von deren Lärm Gerhard Hauptmann berichtet hat. Vor diesem Hintergrund trifft der sanfte Klang des Pianofortes gleichsam ein immer stärker werdendes Grundbedürfnis nach Harmonie und Entspannung. Die beginnende Industrialisierung mit der zunehmenden Entfremdung der Arbeit wurde zuerst 1789 von der Französischen und schließlich 1848 von der Deutschen Revolution begleitet. Die Menschen waren in Aufruhr und verunsichert. Gleichzeitig verbreitete sich das Musizieren als Kulturtechnik der Harmonisierung immer stärker und das Klavier wurde aufgrund seines romantischen Klangs zu einem weltweiten Verkaufsschlager! Mit den deutlichen Verbesserungen der Spieltechnik sowie des Klangs veränderte sich der Name dieses großartigen Instruments: Aus dem ursprünglichen Hammerklavier wurde das Pianoforte.

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Klavier spielen mit Genuss

Beim Musizieren geht es für die Klavierspieler um Harmonisierung. Ein technisch gut eingestelltes, wohl klingendes und gut gestimmtes Instrument ist die Voraussetzung für den Genuss beim Klavier spielen. Die Angebote der Klavierstimmerei Praeludio® zur Spielart Pianomotion sowie zum Wohltemperierten Pianoklang stehen daher unter dem Motto: Entdecken Sie das Piano in Ihrem Klavier!

Zum Seitenanfang Kennen Sie schon das Hybrid-Piano, die neue Kategorie des Pianofortes?

i-Piano: Die Zukunft des Pianofortes

Und wie geht die Entwicklung weiter? werden Sie vielleicht fragen. Nun, die Entwicklung ist schon weiter gegangen. Genau genommen wurde von Seiler und somit in Deutschland das Hybrid-Piano erfunden. Die Bezeichnung Hybrid bezieht sich darauf, dass hier in einem Instrument zwei unterschiedliche Konzepte kombiniert sind: Elektronik und Akustik wachsen zusammen. In diese Kategorie gehört auch das in England erfundene und weitgehend immer noch unbekannte Silent-Piano. Diese Idee wurde von Yamaha als wertvoll da zeitgemäß erkannt. Schließlich kann man bei den Silentpianos das Akustikpiano komplett stumm schalten, um dann mit Kopfhörer für die Umgebung lautlos das einzige Keyboard mit einem echten Klavieranschlag zu spielen, da man nach wie vor eine echte Klaviermechanik bewegt. Yamaha vereinbarte mit dem Erfinder Kemble eine Partnerschaft und vermarktete das Konzept nicht nur im Klavierbau erfolgreich, sondern übertrug das Silent-Konzept auf zahlreiche andere Instrumente. Inzwischen haben auch Premiumhersteller wie Bösendorfer die Chancen der neuen Kategorie im Klavierbau entdeckt. Der aufzeichnungsfähige Selbstspieler mit dem Namen CEUS ist ein Computerflügel der Österreicher, die seit 2007 Teil der Yamaha-Musikwelt sind.

Die Zukunft gehört dem i-Piano. Es wird zu einem Kreativspielplatz für die möglichst umfassende Potenzialentfaltung der uns Menschen von der Evolution geschenkten musikalischen Sensibilität. Der erste Klavierhersteller, der sich offen zu diesem Projekt bekennt und es mit all seiner Kraft verfolgt, wird für die Zukunft bestens aufgestellt sein.

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